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Martinskirche Wettelsheim

Aus der Geschichte der Martinskirche:

Die Ursprünge einer christlichen Gemeinde in Wettelsheim gehen wohl - ausgehend vom Kloster Heidenheim - zurück bis zur Zeit Karls des Großen Ende des 8.Jahrhunderts.
Bischof Gundekar II von Eichstätt weiht im Jahre 1058 eine
„ecclesia (Kirche) zu Uuetelesheim“.

1254 geht durch eine Schenkung des Eichstätter Bischofs Heinrich die dem Heiligen Martin, Nicolaus und Leonhard geweihte Kirche an das Kloster Wülzburg über.
Die jetzige Martinskirche entsteht im 15. Jahrhundert: 1426 gewährt Kardinal Ursini Ablass allen, welche die Kirche besuchen oder zum Bau beitragen (Wahrscheinlich wurde an den bestehenden Chor ein Langhaus angebaut).
Der letzte Abt des Klosters Wülzburg, Veit von Gebsattel, stiftet um 1515 den von Sebastian Dayg in Nördlingen gestalteten spätgotischen Flügelaltar.
Mit dem Beginn der Reformation fällt das Kloster Wülzburg - und damit auch die Martinskirche in Wettelsheim - dem Markgrafen von Ansbach zu.

Markgraf Georg der Fromme führt 1528 die Reformation ein und gebietet, überall das Wort Gottes lauter und rein zu lehren. Der hiesige Pfarrer kommt dem nur sehr widerwillig nach.
Als erster evangelisch-lutherischer Pfarrer in Wettelsheim wird ab 1548 Georg Kolmann genannt; in seiner über 40-jährigen Amtszeit wird das älteste Wettelsheimer Kirchenbuch begonnen.

Besondere Bedeutung erlangt die Martinskirche im 17. Jahrhundert durch das Adelsgeschlecht der von Leubelfing.
Johann von Leubelfing ist Besitzer des Rittergutes Falbenthal und Vater des berühmt gewordenen August von Leubelfing, der als „Gustav Adolfs Page“ - dem protestantischen Schwedenkönig treu ergeben - 1632 mit ihm in der Schlacht bei Lützen fällt.
Im Jahr 1648 wird Johann von Leubelfing in einer Gruft im Altarraum der Kirche beigesetzt. In zwei weiteren Grüften werden ebenfalls Mitglieder der Adelsfamilie bestattet. Noch heute zeugen die Epitaphe von dieser Epoche.
Nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges, wird die Kirche im Jahr 1656, restauriert. Nach dem Bau der Christuskirche 1756/57 im Wettelsheimer Amthof dient die Martinskirche vorwiegend als Friedhofskirche.
In der Amtszeit von Pfarrer Buchrucker (1897-1915) wurde die Martinskirche restauriert und 1898 von der Öttinger Orgelbaufirma Steinmeyer eine neue Orgel eingebaut.

Gewölbefresko in der MartinskircheBei der Renovierung anlässlich des 900-jährigen Bestehens der Kirche entdeckt man 1958 im Deckengewölbe des Chorraumes Fresken aus der Entstehungszeit. Auch der Altar und die Orgel werden restauriert.
Bis 1974 wird die Kirche auch von den Katholiken der Gemeinde Markt Berolzheim / Wettelsheim als Gottesdienstraum genutzt. Danach beginnt die dringend notwendige Renovierung der Nordwand, des Dachstuhls und des Turmes; der Altar wird gereinigt und instand gesetzt. Dabei erbringt die Gemeinde beispielhafte Eigenleistungen.
Ebenso 1979/80: Der gesamte Außenbereich wird saniert und das Kirchenschiff neu gedeckt. Im Inneren wird ab 1983 der Fußboden erneuert, die Kanzeltreppe neu belegt, der Kirchenraum und alle Gedenktafeln farblich neu gestaltet.
Eine neue Heizung und Beleuchtung ermöglichen seit der Wiedereinweihung am Martinstag 1984 nicht nur Gottesdienste bei Beerdigungen; auch Taufen und Hochzeiten, Sakramentsgottesdienste, die Osternacht und andere Sondergottesdienste werden in dieser schönen Kirche gefeiert.

Altar der MartinskircheEine besondere Konstbarkeit ist der dreiflügelige spätgotische Altar in der Kirche. Dieser wurde 1515 von dem Nördlinger Künstler Sebastian Dayg geschaffen. Der Mittelschrein zeigt den Namensgeber der Kirche, den Heiligen Martin; links Stephanus, rechts Benedikt.

Auf dem linken Altarflügel ist Johannes der Täufer, auf dem rechten der Heilige Georg dargestellt. Im Altarsockel ist links Papst Leo X. (1513-21), rechts der Stifter des Altars, Veit von Gebsattel abgebildet. In der Mitte eine Pietà (Maria mit dem Leichnam Christi).

 Im Jahr 2010 hat Dieter Rieß ein Fotobuch über die Wettelsheimer Kirchen erstellt. Das sehenswerte Buch kann zum Preis von 34,50 € im Pfarramt erworben werden.