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Abendmahl

Schmecket und sehet wie freundlich der Herr ist ...

Psalm 34,9 

Der evangelische Theologe Helmut Thielicke erzählt von folgender Begebenheit:

Ich habe einmal, kniend im Steppensand, mit einigen Hereros in Südwestafrika das Mahl des Herrn gefeiert. Keiner verstand auch nur einen Laut von der Sprache des anderen. Aber als ich mit der Hand ein Kreuzeszeichen machte und den Namen „Jesus“ aussprach, strahlten ihre dunklen Gesichter auf. Wir aßen dasselbe Brot und tranken aus demselben Kelch, und sie wussten nicht, was sie mir alles an Liebe erweisen sollten. Wir hatten uns nie gesehen. Soziale und geographische und kulturelle Grenzen standen zwischen uns. Und doch umschlossen uns Arme, die nicht von dieser Welt sind. Da fiel es mir wie Schuppen von den Augen und ich begann die Pfingstgeschichte zu begreifen. Ich verstand das Wunder der Kirche.

Das ist eine zutiefst berührende Geschichte und eine  wunderbare Erklärung für das Abendmahl:

„Und doch umschlossen uns Arme, die nicht von dieser Welt sind.“

Ist es nicht das, was uns beim Abendmahl anrührt und berührt? Wer denkt denn beim Abendmahl über die dogmatischen Unterschiede der Konfessionen nach: Transsubstantiationslehre in der katholischen Kirche, Realpräsenz in der lutherischen Theologie oder symbolisches Gedächtnismahl bei den evangelischen Freikirchen.
 Was geschieht beim Abendmahl? Ich könnte als Pfarrerin ein Referat darüber halten oder ein Essay schreiben - aber das Abendmahl zu feiern und zu spüren, dass uns da „Arme umschließen, die nicht von dieser Welt sind“, das ist etwas ganz anderes. Das ist der Unterschied zwischen Theorie und Praxis. Können auch Kinder schon spüren, dass das Abendmahl etwas anderes ist, als das Frühstück, Mittag– oder Abendessen  am häuslichen Tisch? Können auch Kinder schon spüren, dass die Gemeinschaft um den Altar eine besondere ist und, dass uns da wirklich „Arme umschließen, die nicht von dieser Welt sind“?

Die Synode unserer Kirche hat sich bereits 1977 mit dem Thema „Abendmahl“ intensiv befasst und gewünscht, dass das Abendmahl häufiger und freudiger gefeiert wird. Viele Gemeinden sind diesem Wunsch nachgekommen und haben auch Kinder eingeladen. Die Synode im Jahr 2000 hat den Gemeinden dann ausdrücklich empfohlen, auch schon die Kleinsten zum Abendmahl einzuladen - schließlich taufen wir auch schon Säuglinge, die den Taufakt nicht bewusst miterleben und sich auch nicht zum Glauben bekennen können. Mit welchen Argumenten sollten wir die getauften Kinder von dem anderen Sakrament unserer Kirche ausschließen?

So sind auch in unseren Gemeinden schon die Kinder zum Abendmahl eingeladen. Die Entscheidung liegt, wie bei der Taufe, bei den Eltern. Im Kindergottesdienst, im Kindergarten und auf der Kinderbibelfreizeit und auf Kinderbibeltagen werden die Kinder immer wieder auf das Abendmahl vorbereitet.

Jedes Abendmahl ist eine Einladung zu einem Fest, und als Fest wollen wir es in unseren Gemeinden feiern.
Feiern Sie mit! Wir freuen uns auf Sie!

Pfarrerin Manuela Reißig